Waltraud Gläser – VUCA Expertin

Die Welt ist derzeit besonders volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig (VUKA). Was dies für Führungskräfte der Personaldienstleistungsbranche und die Unternehmen bedeutet, erläutert Dozentin Waltraud Gläser. Im Interview mit personaldienstleister.de macht die renommierte Organisationsberaterin, Trainerin und ehemalige Leiterin eines Profit Centers in der Personaldienstleistung dabei die Bedeutung der VUKA-Phänomene in Pandemie-Zeiten deutlich.

Personaldienstleister.de: Was verbirgt sich hinter dem Begriff VUKA grundsätzlich?

Waltraud Gläser: Das Kunstwort VUKA hat seine Herkunft in den 1980er Jahren in der Managementliteratur und wurde nach Ende des Kalten Krieges vom US-Militär aufgenommen. VUKA möchte das nicht Erfassbare erfassbar machen. Es beschreibt die veränderten Rahmenbedingungen, unter denen heute Entscheidungen getroffen werden müssen. Es beschreibt eine Umgebung, in der durch permanente Veränderungen Informationen ihre prognostische Aussagekraft verlieren, Interessenkoalitionen immer vielschichtiger werden sowie Motivlagen sich ständig verändern. Die Konsequenzen sind Volatilität (Unberechenbarkeit), Unsicherheit (auch Ungewissheit), Komplexität und Ambiguität (Mehrdeutigkeit).

Personaldienstleister.de: Welche Auswirkungen haben die VUKA-Phänomene auf die heutige Arbeitswelt gerade in Zeiten der Corona-Pandemie?

Gläser: Corona mit all seinen Dimensionen und Auswirkungen bedeutet das praktische Erleben der VUKA Phänomene, wenn auch in unterschiedlichen und individuell erlebten Ausprägungen. Das verursacht ein Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen von Menschen und Organisationen nach Klarheit, Sicherheit, Ordnung und dem Umgang mit unvorhersehbaren, ungewohnten und häufig einschränkenden und belastenden Bedingungen. Die klare Trennung zwischen Arbeit und dem privaten Bereich verschwimmt. Gewohnheiten und Routinen, die wir Menschen brauchen, gerade auch im zwischenmenschlichen Bereich, gehen verloren. Es wird zur konstanten Herausforderung, sich ständig auf etwas Neues einzustellen und reagieren zu müssen. Es erfordert die Bereitschaft zur wiederholten Neuentscheidung und Ausrichtung an dynamische, komplexe Gegebenheiten. “Fahren auf Sicht” tritt an die Stelle von Vorausschau und Planung. Das strengt an, kostet Energie und bietet oftmals wenig Raum zum Innezuhalten und Reflektieren. Auch die Ungewissheit, wann es wieder ein “Normal” geben bzw., wie das “neue Normal” aussehen wird, bestimmt den Grad der Erschöpfung, was zu Lasten der Kreativität gehen kann.

Personaldienstleister.de: Welche Lösungen unter VUKA-Bedingungen lassen sich für die Mitarbeiterführung und Organisationsentwicklung nutzen?

Gläser: In dieser VUKA Welt müssen Führungskräfte und Organisationen anders agieren. Wenn sich das Umfeld radikal wandelt, stoßen herkömmliche Führungsmethoden und Strategien an ihre Grenzen. Standardlösungen und der Wunsch nach “one fits all” gibt es nicht! Auch werden die Zeithorizonte kürzer. Vom Erfolg einer strategischen Planung über den Zeitraum von fünf oder sogar mehr Jahren haben sich die meisten Unternehmen verabschiedet. Auch gelingt es nicht mehr, den “Job auf Lebenszeit” anzubieten. Auch deshalb, weil die unterschiedlichen Generationen stark differenzierte Lebenskonzepte verfolgen und sich eine Unternehmens- und Führungskultur suchen, die besser zu ihren Vorstellungen und individuellen Bedürfnissen passt. Sinn und Werte bekommen eine höhere Relevanz.

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