Wer würde nicht sagen, „Sei gefällig!“ klingt freundlich?
„Sei gefällig“ ist einer der fünf inneren Antreiber. Ein Modell, das von den US-Amerikanern Taibi Kahler und Hedges Casper im Rahmen der #Transaktionsanalyse („Ich bin okay. Du bist okay.“ Nach Eric Berne) entwickelt wurde. Sie verstehen darunter elterliche bzw. erzieherische Anweisungen, die das Kind als #Anpassungsmuster und #Glaubenssätze verinnerlicht, damit es in der Welt zurechtkommt.
Das entsprechende Verhalten zeigt sich nicht nur in Höflichkeit, Empathie oder Teamfähigkeit. Das sind #Ressourcen, die nützlich und hilfreich sind. Doch, wie so oft, die Dosis macht das Gift! Kritisch wird es, wenn daraus Selbstaufgabe wird und die eigenen Bedürfnisse aus dem Blickfeld geraten, denn in Wirklichkeit wirken Antreiber wie ein innerer Vertrag, wie ein Skript, dem zu folgen ist.
Wenn mir mein innerer Regisseur zum Beispiel sagt, dass ich okay bin, wenn die Anderen zufrieden sind („Bloß keine Umstände machen“) oder dass ich Raum einnehmen darf, wenn sich niemand gestört fühlt („Ich will nicht schwierig sein“) oder ich Ja sage, damit die Beziehung sicher bleibt („Sag lieber Ja, sonst bist du egoistisch“), wird das Spannungsfeld zwischen eigenen Bedürfnissen und dem Befolgen innerer Verbote größer. Und genau dort beginnt das Spiel.
Eric Berne sagte: “Games are a compromise between intimacy and keeping intimacy away.“ Das passt erschreckend gut: Wer immer gefallen will, wirkt nahbar, hilfsbereit und verbindlich. Doch echte Nähe entsteht nicht durch Anpassung. Sie entsteht, wenn ich mich zeige, mit meinen Grenzen, mit Klarheit und der Erlaubnis für ein Nein („Nein ist ein ganzer Satz!“). Und hier liegt der Schlüssel:
Ich darf freundlich sein, ohne mich zu verlieren.
Ich darf helfen, ohne mich verfügbar zu machen.
Ich darf Nein sagen und trotzdem in Beziehung bleiben.
Oder mit Berne gesprochen: „We are born princes and the civilizing process makes us frogs.“
Manchmal beginnt Entwicklung damit, den Frosch zu bemerken und sich an den Prinzen oder die Prinzessin zu erinnern.