Ein Erlebnisbericht des Autors Roland Noz

An einem eher etwas trüben Freitag im September 2020 – im Pandemiejahr 1 – auf dem Weg von einer unter strengen Hygienebedingungen stattgefundenen Präsenz-Veranstaltung in Konstanz – war ich, Roland Noz auf dem Weg ins schöne Forchheim. Und damit auf dem Weg, an einem Buch mitzuschreiben! Zum allerersten Mal in meinem Leben! An einem Wochenende! Mit ca. 20 anderen Autorinnen und Autoren, die ich größtenteils noch gar nicht kannte und die auch sich nicht unbedingt kannten. Ein verlockendes Angebot!

Vom Vorstandsvorsitzenden des AFSMI Deutschland, Kai Altenfelder, und seinen Vorstandskollegen Dieter Schönfeld und Wolfgang Krenkler wurden über bestehende Netzwerke hinweg Menschen wie ich in die ‚Digitalwerkstatt‘ von Annika Leopold, unserem exquisiten Rückzugsort für dieses Wochenende, eingeladen. Mindestens 3 Dinge verbanden uns alle: die Neugier darauf, wie man an einem Wochenende ein Buch schreiben kann, dann das Interesse an den Themen ‚Service Management‘ und ‚Digitale Transformation‘ und die Bereitschaft, das eigene Wissen und die persönliche Expertise zukünftig mit einer breiteren Leserschaft zu teilen.

Glücklicherweise hatten wir mit Kai als maßgeblichem Initiator des Projektes einen halben Profi im Schreiben solcher Bücher an unserer Seite. Schon einmal wirkte er an einem Buch über ‚New Work‘ mit, das auf diese Art und Weise entstanden war. Daher war gesetzt, dass er zusammen mit Dieter Schönfeld und Wolfgang Krenkler als Herausgeber des Buches agieren wird und daher schon Kontakt mit dem Springer/Gabler Verlag aufgenommen sowie einen Vertrag für das Buch ausgehandelt hatte. Zudem gab es schon eine Lektorin, die uns maßgeblich unterstützen würde.

Diese wichtige und gute Vorbereitung wurde am Freitagabend beim Kick Off klar, zu dem die meisten der zukünftigen Autorinnen und Autoren nach und nach in der ‚Digitalwerkstatt‘ eintrafen. Das waren: Waltraud Gläser aus der Nähe von Frankfurt, Manfred Botschek aus Stuttgart, Josef Petzenhammer aus München, Wolfgang Krenkler aus Heidelberg, Dieter Schönfeld vom Bodensee, Richard Friedl und Martin Pscheidl aus Wien, Anja Roters und Melanie Zucker aus Nürnberg, Jacqueliné Glauch aus Fürth, David Kleinz aus Frankfurt, Harald Kopp aus Furtwangen, Roland Noz aus Düsseldorf und natürlich Kai Altenfelder aus Hannover. Digital kamen dann Sonja Kieffer-Radwan aus Köln, unsere Lektorin Gisela Lehmaier aus Berlin und ab Tag 2 Jacqueliné Glauch per Videocall dazu. Verstärkung im Projektteam wurde in diesem Zeitraum das Team und das Buch um weitere Beiträge von Esther Schulz und Alexander Pflaum, von Eric Brabänder, Lennart Brumby und Torsten Gast, die leider aus zeitlichen Gründen nicht am Booksprint-Wochenende teilnehmen konnten.

Ein Buch an einem Wochenende schreiben – kann das gehen?

Zurück zu der Frage, die nicht nur mich umtrieb: Gemeinsam ein Buch per Booksprint an einem Wochenende schreiben – kann das gehen? Und vor allem: Wie? Klare Antworten nach diesem Wochenende – und darüber herrscht Einstimmigkeit: Ja, das geht! Und zum Wie ein paar Ausführungen!
Nun, wie bei allen Projekten, so galt auch bei unserem Buchprojekt: man folgt einem Ziel, gibt sich eine Struktur, setzt sich einen sportlichen Zeitrahmen, bringt Enthusiasmus und Energie ein – und fängt einfach an.
Für die Struktur des Buchprojektes hatten Kai, Dieter und Wolfgang schon bestens vorgearbeitet.
Der Freitagabend begann damit, zunächst über uns zu erzählen. Schließlich wollten wir ja wissen, wer so mit an Bord ist und mit wem wir dieses Wochenende verbringen werden. Eine kreative Gelegenheit, um Persönliches von sich preiszugeben, waren dafür selbst geschriebene und an Pinwände geheftete Karten im Sinne eines Steckbriefs. Eine gute Grundlage, um sich besser kennen zu lernen.

Danach ging’s mit Kurzvorträgen zu unseren Ideen über unsere Artikel weiter, dargestellt von jedem/jeder von uns auf Metaplanblättern. Beantwortet wurden Fragen wie:

Was ist unser Thema, was ist unsere Botschaft, wie wollen wir unseren Artikel strukturieren?

Hier ergaben sich schon die ersten spannenden Diskussionen, Fragen, Abgleiche, Inspirationen – eine perfekte inhaltliche Einstimmung auf das Thema.

Kein Projekt ohne gewisse Formalitäten. So auch unser Buchprojekt! Nachdem Vorgaben zu Format, Seitenzahl, etc. geklärt wurden, saßen die Ersten schon an ihren Tischen und starteten mit dem Schreiben. Nach einer mehr oder weniger kurzen Nacht ging es am Samstagmorgen dann für alle richtig los: Jede Autorin und jeder Autor suchte sich eins der vielfältigen Plätzchen in den Räumen der Digitalwerkstatt – mal ruhiger, mal weniger ruhig. Die Kunst dabei war, dem Gedanken ‚jetzt muss ich liefern!“ keinen Raum zu lassen, dafür einfach loszulegen. Was allerdings einfacher gesagt war als getan …

Das richtig Gute bei diesem Booksprint war: jederzeit gab es jemanden in der Lobby anzutreffen, in Schreibpausen, bei Schreibblockaden, bei Schreiberschöpfung und einfach, wenn man mal gerade keine Lust mehr hatte, weiter zu schreiben, und mit denen man sich unterhalten konnte – bei reichlich Kaffee, Snacks, Brötchen, Kuchen und Getränken. Über Fragen wie ‚was hältst Du davon?‘ bis hin zu: ‚Und welche Erfahrungen hast Du mit Deinem Tesla gemacht?‘ ergab sich jederzeit eine tolle, lockere, unkonventionelle, ungezwungene Atmosphäre, in der mit teils bis zum Vortag fremden Menschen gefachsimpelt, gescherzt, diskutiert und entworfen wurde.

Unsere Struktur sah ebenfalls vor, dass wir uns zu vorher festgesetzten Zeiten mehrmals am Tag im großen Seminarraum zum Austausch trafen und unsere ‚Wasserstandsmeldungen‘ austauschten.
Von ‚Bei mir läuft’s ganz gut‘, oder ‚ich bin noch nicht zufrieden‘, über ‘bei mir hapert’s noch mit dem Fluss‘ bis hin zu ‚ich komme momentan nicht mehr weiter‘ oder ‚ich hab‘ noch mal angefangen‘ war so ziemlich alles dabei.

Inhaltlich boten diese Abstimmungsrunden auch immer wieder neue Anregungen und Ideen. Ebenso wie die fantastische Möglichkeit, sich Hilfe zu holen, ein schwieriges Thema mal von einer anderen Seite zu beleuchten, Thesen zu diskutieren, Argumente abzuklopfen und zu testen oder sich einfach weitere Meinungen und Feedback einzuholen. Diese Unterstützung bekamen wir auch von unseren ‚Buddies‘, die wir uns untereinander aussuchen konnten, als einen weiteren Aspekt der Struktur für das Projekt. Und damit auch ein unschätzbarer Vorteil eines solchen Booksprint-Projektes: Die Fachleute waren immer alle zugegen und mitten drin im Geschehen – auch durch den Einsatz der Video-Konferenz-Tools, wodurch das Live-Erlebnis nochmals mehr erhöht wurde.

Es entspräche nicht ganz der vollen Wahrheit zu behaupten, das Buch wäre tatsächlich bis zum Sonntagabend vollends fertig geschrieben worden. Ganz zu schweigen davon, dass alle Artikel, inklusive Vorwort und Einleitung komplett druckfertig vorgelegen hätten. Tatsächlich haben wir es dennoch geschafft, den Kern und roten Faden des Buches und damit unsere Artikel, zu einem großen Teil und zumindest in brauchbarer Rohfassung an diesem Wochenende zu Papier zu bringen. Damit war die Grundlage für die Fertigstellung des Buches gelegt, die in den darauffolgenden Wochen von regelmäßigen Video-Konferenzen begleitet und vom finalen Abgabetermin im Dezember 2020 gekrönt wurde.

Was bleibt: Wir sind stolz auf das, was wir hier geleistet haben: Ein Buch mit hervorragenden Artikeln zu einem brandaktuellen Thema, von Expertinnen und Experten aus der Industrie, der Wissenschaft und der Beratung geschrieben. Als Ideenpool, als Anleitung, als Checkliste, als Handbuch für eine zukunftsgerichtete Entwicklung des Service-Geschäfts. Und damit ein Highlight unter den Fachbüchern in 2021! Äußerst cool!

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